Krimiautorin Giulia Conti im Interview

Giulia Conti © privat


Simon Strasser ist der neueste Ermittler im Hause Atlantik. In seinem ersten Fall Lago Mortale hat er es mit einem schrecklichen Mord vor traumhafter Kulisse zu tun. Die Autorin Giulia Conti verbringt selbst schon seit langem einen großen Teil des Jahres am Lago d’Orta in Norditalien. 

Zum Start der neuen Krimi-Reihe hat uns die Autorin Rede und Antwort gestanden.



Liebe Giulia, kamen Sie zum See oder kam der See zu Ihnen?

Beides, es war eine zufällige Entdeckung bei einem Tagesausflug in einem Urlaub in Italien. Aber wie Simon Strasser wusste ich sofort, dass das mein Ort ist. Wir waren damals zu dritt unterwegs, mein Mann, sein elf Jahre alter Sohn und ich. Ein Höhepunkt des Tages am See war, dass Justus im schönen Orta San Giulio endlich das Spaghettieis bekam, nach dem er vorher tagelang überall dort, wo wir am Lago Maggiore waren, vergeblich verlangt hatte. Es gab es damals einfach nicht und der Junge war ständig mürrisch. Mit dem Eis war auch er für den See gewonnen, und es konnte losgehen.

Wie kamen Sie auf die Idee, dass der Lago d’Orta nicht nur Zuhause, sondern auch Tatort sein könnte?

Der Lago d’Orta hat etwas von einer überreifen Frucht, eine große spirituelle Ausstrahlung und eine stille, melancholische Seite, aber wenn der Sturm von den Alpen kommt, wird er zur Bestie und man fühlt sich wie am Meer. Ich finde, dass Mordgeschichten gut zu ihm passen.  

Auch auf dem ruhigsten See schlägt Verrat hohe Wellen. Simon Strasser ermittelt in »Lago Mortale« in seinem ersten Fall. © Giulia Conti


In Lago Mortale schicken Sie Simon Strasser auch auf eine Spur in die Vergangenheit. Genauer gesagt in die Zeit der Partisanenkämpfe. Was reizt Sie daran?

Das ist eine ziemlich unbekannte Seite der Region. Es ist eine sehr grausame Geschichte, weil so viele Partisanen ihr Leben im Kampf gegen die Nazis und die italienischen Faschisten verloren haben. Die deutschen Besucher am See nehmen sie kaum wahr, obwohl man an vielen Orten Spuren davon finden kann. Das ist aber gar nicht unbedingt bewusste Ignoranz, und ich glaube, dass diese Vergangenheit die Leser von Giulia Conti interessiert, dass sie gerne mehr darüber erfahren, und dass dies ein ganz klein wenig dazu beiträgt, dass man sie nicht vergisst.

Simon ist ein sehr genauer Beobachter, vielleicht auch deshalb, weil er noch immer ein wenig Außenseiter ist. Teilen Simon und Sie den Blick auf den See und seine Anwohner?

Simon ist ein halber Italiener, dazu ein Einzelgänger und nirgendwo ganz zu Hause. Er beobachtet sehr genau, weil er Journalist ist. Nur das Letzte trifft auch auf mich zu. Aber die Begeisterung für den See, die wunderbaren Stimmungen, in die er einen jeden Tag und bei (fast) jedem Wetter versetzen kann, und die Hassliebe zu dem wunderbar-schrecklichen Italien teile ich mit ihm.

Haben Sie eine Lieblingsfigur im Buch?

Ich mag Tommaso sehr. Das ist der Freund meines Protagonisten Simon Strasser, ein pensionierter Rechtsanwalt, und er begegnet allem im Leben mit Ironie. Ich habe einen italienischen Freund in Pella, der das Vorbild für ihn abgibt, zumindest was den Humor angeht. Als wir kürzlich zusammen am See unterwegs waren und an einer angeblich nur vorübergehend eingerichteten Baustelle vorbeikamen, kommentierte er das mit der Bemerkung, dass „nichts in Italien so von Dauer ist wie ein Provisorium“. Das ist der Humor von Tommaso. Das gefällt mir und das kommt natürlich ins nächste Buch. 

Und nun natürlich noch die Frage aller Fragen: Können Sie uns einen winzigen Ausblick geben, wie es mit Simon weitergeht?

Der nächste Krimi mit ihm wird auf der Insel im Lago d’Orta spielen. Dort gibt es ein Kloster und eine der Nonnen wird ermordet am See aufgefunden. Der Mord hat eine ungeklärte und geheimnisvolle Vorgeschichte, in die die deutsche Mutter der Novizin verwickelt ist. Simon geht erneut mit Carabiniere Carla auf die Spur, kann es aber doch nicht ganz lassen, Alleingänge zu machen. Erfolgreich? Vediamo ...