Wir trauern um Daša Drndic

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Die kroatische Schriftstellerin Daša Drndić ist im Alter von 71 Jahren in Rijeka gestorben. In ihrem Werk setzte sie sich mit den Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts auseinander, zeigte die Mechanismen des Bösen auf und schrieb gegen das Vergessen an.

»Wie vor kurzem in Charlottesville, aber auch in ganz Europa und darüber hinaus, tritt die extreme Rechte verstärkt auf, glücklicherweise noch auf Zehenspitzen und in kleinen Schritten, was sie natürlich nicht weniger gefährlich macht. Es gibt keine kleinen Faschismen, es gibt keine kleinen, gutartigen Nazis. 
Darum versuche ich in meinen Büchern zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich zu erinnern. In diesem Zeitalter des aggressiven Revisionismus - der dazu tendiert, unserer bereits geschädigten, verzerrten Wahrnehmung einer Gehirnwäsche zu unterziehen - ohne Erinnerung sind wir eine leichte Beute der Manipulation. Wir verlieren die Identität.«
Daša Drndić

Ihre Romane bewegen sich zwischen Fakt und Fiktion, ihren Stil prägt „eine zurückhaltende Poetik der Dokumentation, aus deren nüchternem Ton die knappen Beschreibungen seelischer Not umso virtuoser hervordrängen“ (Die Zeit), und leitmotivisch zieht sich durch ihr Werk die dringliche Mahnung zur Erinnerung, denn „hinter jedem Namen verbirgt sich eine Geschichte“.

Für ihren Roman Sonnenschein (2015) war sie für den Internationalen Literaturpreis nominiert, zuletzt erschien Belladonna (2018) im Hoffmann und Campe Verlag.