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TOP TEN |
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Ideale
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von Julia Friedrichs
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Hugo Müller-Vogg: Der Weg zu „Mein Weg“ |
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Eigentlich ist Roland Koch schuld. Genauer: Dass er sich im Jahr 2002 darauf einließ, mir für ein Interview-Buch Rede und Antwort zu stehen. Bei der Präsentation von „Beim Wort genommen – Roland Koch im Gespräch mit Hugo Müller-Vogg“ Ende 2002 in Berlin sagte der CDU-Abgeordnete Willy Wimmer nämlich zu mir: „Jetzt müssten Sie so ein Buch auch mit Angela Merkel machen.“ Meine spontane Antwort: „Warum eigentlich nicht?“
Im Februar 2003 saß ich einer von Wimmer vorgewarnten Angela Merkel in ihrem Bundestagsbüro gegenüber und skizzierte das Buch-Projekt. Ich wusste, dass es unter ihren Mitarbeitern manche Skepsis gab – gegenüber der Form eines Gesprächsbandes wie gegenüber mir als Gesprächspartner. Konnte man einem ausgewiesenen „Kochianer“ vertrauen? Die Chefin entschied, dass sie das konnte.
Die Partei- und Fraktionsvorsitzende Merkel hatte damals sehr stark mit dem Vorwurf zu kämpfen, niemand wisse, wofür sie politisch stehe. Das sollte nach der Lektüre des geplanten Buches niemand mehr behaupten können. Und da schien der CDU-Vorsitzenden ein Gesprächspartner, der bisher keineswegs als Merkel-Fan hervorgetreten war, sogar von Vorteil. „Wenn Sie sich mit meinen Antworten zufrieden geben, dann werden das andere auch können“, beschied sie mir. Das war der Beginn einer aus meiner Sicht ebenso angenehmen wie fruchtbaren Interview-Beziehung.
Beim ersten Gespräch fragte ich Angela Merkel, was denn den Kern ihrer politischen Überzeugungen ausmache, was sie denn in diese CDU einbringe. Da zögerte sie einen Augenblick, lächelte ihr typisches, unbedarft wirkendes „Angie“-Lächeln, in dem sich Selbstironie und ein wenig Mitleid für den Fragenden mischen, und sagte dann fröhlich: „Ich weiß, ich weiß, das ist die Frage, auf deren Antwort ganz Deutschland wartet.“
Neunmal saßen wir insgesamt zusammen, eine immer sehr konzentrierte Angela Merkel, und ein Interviewer, der alles immer auf zwei Rekordern aufzeichnete. Eine Vorsichtsmaßnahme, die sich als keineswegs überflüssig herausstellen sollte. Denn jedes der Geräte fiel einmal aus – glücklicherweise aber jeweils an einem anderen Tag. Die Vorstellung, ein Interview wegen einer solchen technischen Panne wiederholen zu müssen – allein die Vorstellung schreckt mich heute noch.
Wir trafen uns fast immer im Büro der Fraktionsvorsitzenden, mit Blick auf den Reichstag und das Kanzleramt in Reichweite. Mit einer Ausnahme: Zwei Interviews fanden auf ihren ausdrücklichen Wunsch in ihrem Wahlkreis statt, in Stralsund und in Binz auf Rügen. Denn Angela Merkel wollte, dass ihr Gesprächspartner als gelernter Wessi unbedingt die „wunderschönen Ecken“ des nördlichen Vorpommern kennenlernt. Das Rezept wirkte: Ich buchte noch an Ort und Stelle zwei Wochen Urlaub auf Rügen.
Auf Rügen gestand mir Frau Merkel, dass sie unsere Gespräche durchaus schätze, aber dass sie diese auch als recht anstrengend empfinde. In der Tat: Interviews von zwei Stunden und mehr zwingen den Befragten zu höchster Konzentration. Natürlich war vereinbart worden, dass die Antworten von der Hauptperson des Buches vor dem Druck autorisiert werden müssen – wie bei jedem Zeitungsinterview auch.
Aber Angela Merkel ist niemand, der einfach drauf los plappert, im Vertrauen darauf, das Gesagte notfalls wieder korrigieren zu können. Dazu ist sie einerseits doch zu vorsichtig – und zweitens zu sparsam mit ihrer Zeit. Denn nicht nur Interviews selbst kosten Zeit; das gilt gleichermaßen für nachträgliche Korrekturen.
Die erste Gesprächsrunde fand am 16. Mai 2003 statt, die letzte am 1. Oktober, wenige Stunden nach ihrer programmatischen Rede zum 13. Jahrestag der Deutschen Einheit, in der sie sich die Vorschläge der Herzog-Kommission zu eigen machte. Dass das Buch, dass unser Buch, Angela Merkel durchaus beschäftigte, merkte ich, als ich das Manuskript dieser Rede las.
Dort hieß es gleich auf der ersten Seite: „Vor einigen Wochen fragte mich ein Journalist in einem längeren Gespräch: ‚Sagen Sie mal, Frau Merkel, wenn Sie sich nach 1990 anders entschieden hätten und nicht in die Politik und zur CDU gegangen wären, was würde der CDU heute eigentlich fehlen?’ ‚Ich’, habe ich kurz und knapp geantwortet. Der Ehrlichkeit halber muss ich anfügen, dass ihm diese Antwort noch nicht gereicht hat.“ Soweit also der Originalton Merkel. Was will man als Autor mehr?
Ein Interview-Buch hat einen unschätzbaren Vorzug gegenüber einer Biografie: Der Leser erlebt die Person, um die es geht, authentisch, merkt aber auch, wenn der oder die Befragte bei Antworten ausweicht. Aber ein Buch in Gesprächsform hat auch einen großen Nachteil: Der Leser kann nicht sehen, bei welchen Fragen und Antworten Angela Merkel zustimmend oder ironisch lächelt, wann sie mit den Augen rollt und wann sie durch ihr Mienenspiel schon zu erkennen gibt, dass sie von dieser Frage aber auch gar nichts hält. Umgekehrt wirkt manche Antwort schwarz auf weiß vielleicht schnippischer, als sie der Fragende empfunden hat. Denn das verschmitzte Lächeln der Antwortenden sieht der Leser leider nicht.
Der Autor eines Interview-Buchs ist irgendwie nur ein halber Autor. „Braver Stichwortgeber“ wird der eine oder andere, sich besonders originell und kritisch vorkommende Rezensent schreiben. Mit solchen Etiketten kann ich gut leben. Denn die entscheidende Frage beim Start dieses Buchprojektes lautete doch: Was ist interessanter – was Angela Merkel zu sagen hat oder was Müller-Vogg über Merkel zu sagen hat? Die naheliegende Antwort führte geradewegs zum Interview-Buch.
Von Hugo Müller-Vogg
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BÜCHER |
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Mein Weg
Angela Merkel
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Zur Bundestagswahl neu aufgelegt: die klare Positionsbestimmung... ... |
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Mein Weg
Hugo Müller-Vogg
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Eine Positionsbestimmung – persönlich und politisch. ... |
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PERSON |
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Hugo Müller-Vogg
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Hugo Müller-Vogg ist politischer Publizist. Der ehemalige Herausgeber der Frankfurter ... |
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