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Interview mit Marion Knaths


In den Führungsetagen tummeln sich noch fast ausschließlich Männer. Marion Knaths verrät in ihrem neuen Buch, wie SIE den Chefsessel erstürmen kann.

Obwohl Frauen heute bestens ausgebildet und ehrgeizig in den Beruf einsteigen, endet für die meisten spätestens im mittleren Management die viel versprechende Karriere – wenn wieder ein männlicher Kollege den Posten des Chefredakteurs erhält.
Dass die Gründe hierfür nicht allein in der Leistung, sondern vor allem in den gravierenden Unterschieden männlicher und weiblicher Kommunikation liegen, weiß Marion Knaths aus eigener Erfahrung. In ihrem Buch Spiele mit der Macht. Wie Frauen sich durchsetzen, das gerade im Hoffmann und Campe Verlag erschienen ist, beschreibt sie humorvoll und anschaulich, wie Frauen das Spiel mit der Macht gewinnen können.



Frau Knaths, nach einer beeindruckenden Karriere bei einem Großkonzern führen Sie seit drei Jahren Ihre eigene Firma sheboss. Wie kamen Sie auf die Idee, „Spiele mit der Macht“ zu schreiben? 

Das Buch entstand aus meiner aktuellen Arbeit. Ich trainiere und coache Frauen in Führungsfunktionen, mit dem Ziel, sie ins Topmanagement hinein zu führen. Daher war die Grundidee für sheboss und das Buch dieselbe: möglichst vielen Frauen die Spielregeln nahe zu bringen, die man beherrschen muss, um in Organisationen und Unternehmen erfolgreich Ideen durchsetzen zu können. Denn der Knackpunkt ist, dass diese Regeln für gewöhnlich von der meist männlichen Führungsriege aufgestellt werden. Und wer diese Regeln nicht kennt oder aus Unwissen gegen sie verstößt, kann einen üblen Karriereknick erleben. Ihre Einhaltung ist für die männlichen Kollegen selbstverständlich – während Frauen sie meist nicht einmal kennen. Sie verstoßen damit unbewusst gegen ungeschriebene Gesetze. Was unweigerlich zur Karrierebremse wird. Deswegen ist es für Frauen so wichtig, die Spielregeln zu kennen und geschickt für sich zu nutzen.

Der Bezug zum „Spielerischen“ ist ein zentrales Thema in Ihrem Buch. Warum ist eine „sportliche“ Haltung in der Berufsentwicklung so wichtig? 

Weil das Spielerische uns entkrampft! Wenn ich alles bierernst und ganz persönlich nehme, dann fällt es schwer, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Für viele Frauen ist es so wichtig, dass sie die von mir vorgeschlagenen neuen Wege der Kommunikation erst einmal für sich erproben. Denn wenn ich mich als Spielerin auf einem Feld begreife, fällt dieses Ausprobieren viel leichter. Und zum anderen: wenn ich verstehe, dass viele Angriffe, die im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit erfolgen, gar nicht mir persönlich und meiner Arbeitsleistung gelten, sondern einfach nur meiner Position in der Rangordnung oder auf dem Spielfeld, dann muss ich diese Angriffe nicht persönlich nehmen. Es fällt mir dann weitaus leichter, damit umzugehen. So kann ich nachts besser schlafen und ein geregeltes, schönes Privatleben führen.
Ein Beispiel: Wenn man einen Chef hat, den man gern innerlich als „Idiot“ bezeichnet – und viele Frauen, die ich während meiner Arbeit kennen gelernt habe, kennen diese Regung – dann hilft es, sich von dem Ärger zu distanzieren und sich wieder in eine Handlungsfähigkeit zu versetzen, indem man im Kopf aus dem Idioten einfach eine „Trainingseinheit“ macht. Dann kann man ihm freundlicher begegnen und hat die Möglichkeit, in verschiedenen Ansätzen zu testen, wie man mit dieser „Trainingseinheit“ erfolgreich umgehen kann, ohne sich dabei persönlich aufzureiben.

Nehmen Frauen ihre Karriere gewissermaßen viel zu ernst? 

Das würde ich nicht sagen. Im Gegenteil, Männer nehmen ihre Karriere in der Regel viel ernster als Frauen. Aber Frauen identifizieren sich für gewöhnlich sehr stark mit den Inhalten ihrer Arbeit. Sie verschmelzen als Person mit den Arbeitsinhalten und das macht sie angreifbar. Nicht umsonst werfen Männer den Frauen oft vor, sie würden so emotional reagieren, wenn’s mal ein bisschen enger wird im Job. Da hilft es sehr, wenn sie sich mehr distanzieren. Das heißt also nicht „nur“ die inhaltliche Arbeit, sondern auch durchaus die Karriere ernst nehmen. Männern fällt diese Trennung meist leichter und sie betreiben sie mit sportlichen Mitteln. So können sich männliche Kollegen erst wahnsinnig zoffen und anschließend ein Bier zusammen trinken gehen. Ein Verhalten, das Frauen eher schwer fällt.

In Ihrem Buch gibt es eine „Checkliste der hinderlichen Sätze“, z.B. „Das ist nicht perfekt, das geht noch besser“ oder „es gehört sich nicht, sich in den Vordergrund zu drängen“. Sollte man mehr als einen dieser Sätze als „innere Stimme“ kennen, laufe man Gefahr, sich selbst zu blockieren. Ich habe sieben von elf Sätzen angekreuzt. Und möchte Sie nun fragen: Ist bei mir Hopfen und Malz verloren? 

Nein! Denn das ist genau das Entscheidende. Selbst wenn Sie alle Sätze angekreuzt hätten, wäre nicht Hopfen und Malz verloren. Jeder Mensch kann, egal wie er sich im Regelfall verhält, dieses Verhalten ändern. Mit den „Spielregeln“ der Kommunikation ist es nicht anders, als wenn Sie sich vornehmen würden, Klavier spielen zu lernen: Anfangs müssen Sie sich konzentrieren aber irgendwann automatisieren Sie die Abläufe. Und mit all den vorgestellten Spielregeln – wie Sie Ihre Mimik, die Stimme einsetzen, wie Sie sich Raum nehmen, wie Sie Bewegungen retournieren – alle Verhaltensweisen kann jede, wirklich jede Frau lernen, sie muss nur anfangen, sie zu trainieren und dabei gelassen und heiter bleiben.

Aber ist das Ziel, dass eine Frau so werden muss wie ein Mann, um erfolgreich zu sein? 

Nein, auf gar keinen Fall. Dagegen wehre ich mich immer vehement … Sie bleiben ja nach wie vor eine Frau! Sie geben Ihr Gehirn nicht ab, Sie geben Ihr Äußeres nicht ab, alle Fähigkeiten und Talente, die Sie haben, können Sie weiterhin einsetzen. In bestimmten Situationen, wenn Sie beispielsweise in Ihrer Funktion angegriffen werden, können Sie frei entscheiden: Will ich bei meinem alten Kommunikationsmuster bleiben, von dem ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich damit nicht weiterkomme? Natürlich kann ich dabei bleiben und zufrieden damit sein, was ich habe. Das ist absolut akzeptabel. Aber wenn man für sich entschieden hat: Nein, ich möchte meine Ideen durchsetzen und ich möchte weiterkommen, dann ist es sinnvoll, diese ungeschriebenen Gesetze wie eine Fremdsprache zu lernen – man lernt ja auch auf allen anderen Gebieten dazu. Das hilft einfach, Ihre Handlungsmöglichkeiten enorm zu erweitern. Und Sie bleiben eine Frau, da müssen Sie sich keine Sorgen machen – das geht gar nicht anders! Nur müssen Sie sich an das Gefühl gewöhnen, eine sehr erfolgreiche Frau zu sein.

Spielend an die Macht:
Zu dem Buch haben wir mit der Autorin einen ebenso witzigen wie kurzweiligen Computer-Gimmick entwickelt. Wenn Sie ohne Frust und Falten in nur wenigen Minuten den begehrten Chefsessel erstürmen möchten – Feuerwerk inklusive – einfach Lautsprecher einschalten, würfeln und los geht´s!

www.sheboss.de/seiten/machtspiel.htm

 

 



Links:
Sheboss

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BÜCHER
Spiele mit der Macht

Spiele mit der Macht
Marion Knaths
»Eine wirklich gute Verhandlung hat immer etwas von einem Flirt.« ...
 
PERSON
Marion Knaths

Marion Knaths
Marion Knaths, geboren 1968 in Wolfenbüttel, hat geschafft, was nicht vielen Frauen gelingt: ...
 
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