Am Samstag, 5. März, um 11.30 Uhr, treffen wir uns alle auf dem Pariser Platz in eisiger Kälte.
Schnell ist klar, dass die Journalisten mit Mikrophonen lieber irgendwo reingehen möchten, weil es doch sehr laut und windig auf dem Platz vorm Brandenburger Tor ist. Die drei aus London angereisten Knit the City-Mitglieder und die erschienen Fans haben gute Laune trotz des grauen Wetters. Im warmen Foyer der Akademie der Künste werden erst mal die gestrickten Figürchen und Symbole auf Nylonfäden gezogen. Gar nicht so einfach nach der Kälte draußen, die die Finger klamm und gefühllos macht. Dabei werden mehrere Interviews geführt, eins fürs Fernsehen, drei für verschiedene Radiosender und eins für die Zeitung. Ein englisches Kamerateam begleitet die Frauen schon ein paar Monate, auch in Berlin. Die Stimmung ist gut, auch unter den Journalisten. Wie zu erwarten schauen die weiblichen Journalistinnen verständnisvoll und fragen auch mal nach der Stricktechnik und die männlichen Interviewer beeindruckt ob des ganzen Fadengewirrs. Als alles aufgefädelt ist und die drei Straßenkünstlerinnen von Knit the City bereit sind, zieht die ganze Gruppe im Gänsemarsch Richtung Brandenburger Tor. Der Garnsturm kann beginnen…
Am Straßenschild „Pariser Platz“ werden mit Hilfe eines langen Stabs die Nylonketten aufgehängt. Da es durch den eisigen Wind nicht so einfach ist, gibt es bald laut Beifall, jedes Mal wenn eine Kette hängt. Immer mehr Zuschauer sammeln sich und gucken neugierig. Als alles hängt, fotografiert die Gruppe das Ergebnis.
Die Zeit drängt und die Signierstunde soll noch auf der Museumsinsel stattfinden. Auf dem Weg
dorthin fällt der Gallionsfigur der Gruppe, Lauren O’Farrell, ein Bronzeensemble „drei Mädchen und ein Knabe“ ins Auge, welches in der Burgstraße auf einer Mauer sitzend auf die Spree vor dem Berliner Dom schaut. Flink wird der schon vom Buchcover bekannte Oktopus ausgepackt und aufgepustet. Er ist etwa sechs Meter lang und aus alten Einkaufsplastiktüten gestrickt. Die Tentakel werden um die Figuren geschlungen, gegen den Wind hilft auch hier der fast unsichtbare Nylonfaden.
Berliner Strickerinnen waren dem Internetaufruf der englischen Strickguerilla gefolgt und hatten kleine Oktopusse gestrickt, die dann gemeinsam wieder mit klammen gefühllosen Fingern mit viel Mühe im Wind aufgefädelt wurden. Unter lauten Gelächter und Gejohle werden die kleinen Figürchen an einem Baum vor den Bronzeskulpturen aufgehängt.
Nach getaner Kunst fotografiert Lauren das Kunstwerk.
Im Buchladen warten ein paar Leute, natürlich mit Strickzeug in den Händen. Hier entsteht ein Pullover, dort ein Stirnband. „Eigentlich stricke ich ja Schals und Socken“, so eine der Damen, „aber die Aktion fand ich so witzig, da wollte ich unbedingt mitmachen“. Die Knit the City-Frauen setzen sich hin, es gibt erst mal einen Kaffee zum Aufwärmen. Zwischendurch werden ein paar Bücher signiert. Knit the City guckt auch die Fotos auf der Digitalkamera an, ob alles geklappt hat. Sie sind zufrieden. Ein Garnsturm ist vorbei, die Planung für den nächsten kann beginnen …