Buchpremiere von Matthias Polityckis neuem Roman "Samarkand Samarkand"

9. September 2013


Matthias Politycki las im vollbesetzten Festsaal des Hamburger Literaturhauses zum ersten Mal aus seinem neuen Buch Samarkand Samarkand. Christof Siemes, Redakteur der ZEIT, moderierte die knapp zweistündige Veranstaltung.
 
Fesselnd berichtet Politycki von seinen unzähligen Reisen an die Schauplätze seines Romans. Immer wieder suchte der Autor die Gebirge Usbekistans und Tadschikistans auf und sammelte über viele Jahre hinweg Notizen. Seine Gebirgstouren seien für ihn als Schriftsteller eine „gute Schule“ gewesen: „Ich schrieb nur kurze Sätze in mein Notizbuch. Gerade in der Höhe sind wegen der Kälte lange Sätze nicht möglich. Man lernt, das Wesentliche festzuhalten.“
 
Während der einzelnen Lesestücke, die Matthias Politycki sehr atmosphärisch vortrug, spürt man die engen Parallelen zwischen Autor und Protagonisten. Es geht um Grenzerfahrungen, sowohl im ganz persönlichen als auch im literarischen Sinne: „Es ist das Szenario, dass eine Kaufner wegtreibt, um in den Bergen seine existentielle Reise zu sich selbst anzutreten.“ Man kann die Spuren erahnen, die die unzähligen, nicht immer ungefährlichen Reisen des Autors auch bei ihm selbst hinterlassen haben. „Ich bin an eine Grenze geraten, die Berge haben mir Respekt abgefordert, die Bäche sind reißende Tiere, die sich als Wasser getarnt haben und den Hang hinabschießen.“
 
Moderator und Autor lassen neben der Auseinandersetzung mit der literarischen und persönlichen Relevanz des Buches auch Kritik an heutigen gesellschaftlichen Missständen lauter werden. Politycki spricht von einer deutschen „Nicht-Einmischungspolitik der Gegenwart“ und ihren Folgen und von „Konflikten vor der Haustür“, die keiner sehen will: „Vielleicht werden wir als liberales Mitteleuropa irgendwann wirklich einmal für unsere Freiheit gegen den Fundamentalismus kämpfen müssen.“ Und da zeigt er sich wieder, der Debatten anstoßende, vielseitige Politycki, der Weltenbummler mit dem offenen Blick für das Weite und das Alltägliche.
 
Im Anschluss signierte Matthias Politycki noch unermüdlich die Bücher und kam mit seinen Gästen bei Prosecco und Fingerfood ins Gespräch.

„Zum Glück führen fast alle Wege nach Samarkand“, heißt es im Buch. Schön, wenn manche auch zu solch gelungenen Veranstaltungen im Literaturhaus führen.


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Buchpremiere von "Samarkand Samarkand": Christoph Siemes und Matthias Politycki

Matthias Politycki
Samarkand Samarkand
ISBN 978-3-455-40443-2
400 Seiten
Erschienen am 16.08.2013