Verlagsgeschichte: 1823 – 1867

 

1823
August Campe behält sich nur die Rechte am Verlag der bisher unter seiner Firma erschienen Schriften vor. Nach seinem Tod 1836 gehen die Rechte an seinen Verlagsartikeln an die Firma Brockhaus über.

1826
Erste Begegnung zwischen Julius Campe und Heinrich Heine. Noch im selben Jahr erscheint der erste Teil der Reisebilder (u.a. mit der Harzreise) und markiert den Beginn einer dreißigjährigen, ebenso erfolgreichen wie konfliktträchtigen Zusammenarbeit.

1827
Heinrich Heine: Buch der Lieder. Bis zu Heines Tod 1856 erscheint die Gedichtsammlung in dreizehn, bis zum Erlöschen des alleinigen Verlagsrechts bei HOFFMANN UND CAMPE in über fünfzig Auflagen. Noch im gleichen Jahr folgt der zweite Teil der Reisebilder u.a. mit Ideen. Das Buch Le Grand.

1829
• Bis 1834 erscheinen die Gesammelten Schriften, 14 Teile, des Schriftstellers und Journalisten Ludwig Börne, der wegen seiner scharfzüngigen Prosa als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt.
• Karl Immermann: Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Cavalier (eine gegen Platen gerichtete Polemik).

1831
Spaziergänge eines Wiener Poeten erscheint zunächst anonym. Autor ist Anastasius Grün. Die Gedichtsammlung gilt als das erste bedeutende Beispiel für politische Vormärzlyrik.

1832
• Ludwig Börne: Briefe aus Paris, 6 Teile (1832 1834). Die Briefsammlung umfaßt 115 zwischen 1830 und 1833 geschriebene, an Börnes Freundin Jeanette Wohl in Frankfurt gerichtete Briefe. Sie wurden mit der Absicht der Veröffentlichung verfasst und enthalten politische, gesellschaftliche und kulturelle Betrachtungen über Ereignisse in Frankreich und Deutschland nach der Julirevolution 1830.
• Anonym erscheint Karl Gutzkows erstes Werk Briefe eines Narren an eine Närrin und wird in Preußen im Oktober verboten.

1833
• Verlag und Sortiment ziehen in die Bohnenstraße Nr. 28 um. Dort residiert das Unternehmen bis Haus und Geschäft 1842 beim großen Hamburger Brand zerstört werden.
• Heinrich Heine: Französische Zustände. Erste Buchausgabe der zuerst in der Augsburger Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Korrespondenzberichte aus Paris.

1834
• Heinrich Heine: Der Salon, 4 Bde. Sammelwerk verschiedener Prosa- und Gedichtstücke, von der kunsthistorischen Betrachtung bis zum populärphilosophischen Essay, vom Romanfragment bis zur Romanzensammlung. Bd. 1/1834, Bd. 2/1835, Bd. 3/1837, Bd. 4/1840 (u.a. mit Der Rabbi von Bacharach).
• Das literaturtheoretisch-ästhetische Hauptwerk Ludolf Wienbargs Aesthetische Feldzüge erscheint. Die Widmung "dem jungen Deutschland" gibt dieser literarischen Bewegung ihren Namen.

1835
Am 10. Dezember werden alle Schriften der Autoren des "Jungen Deutschland" verboten. In dem Verbot wird HOFFMANN UND CAMPE als einziger Verlag namentlich genannt: "Die Regierung der freien Stadt Hamburg wird aufgefordert, in dieser Beziehung insbesondere der Hoffmann und Campe'schen Buchhandlung zu Hamburg, welche vorzugsweise Schriften obiger Art in Verlag und Vertrieb hat, die geeignete Verwarnung zugehen zu lassen."

1838
Mit Jahresbeginn erscheint die 1837 in Frankfurt begründete Zeitschrift Der Telegraph als Telegraph für Deutschland bei HOFFMANN UND CAMPE. Redakteur der bedeutenden literarischen Zeitschrift des Vormärz ist Karl Gutzkow. Der Jahrgang 1839 enthält den Erstdruck von Georg Büchners Novellen-Fragment Lenz, mit einem Vorwort und einem Nachwort hrsg. von Karl Gutzkow.

1840
• Der erste Teil der Unpolitischen Lieder von Hoffmann von Fallersleben erscheint. In dem Liederzyklus, dessen zweiter Teil 1841 veröffentlicht wird, bringt Hoffmann von Fallersleben seine nationalen und liberalen Ansichten zum Ausdruck. Er kritisiert die reaktionäre Haltung der Regierungen und den Mangel an politischem Interesse im Volk.
• Karl Immermann: Memorabilien. 3 Thle (1840-1843)
• Karl Gutzkow: Börnes Leben. Mit Börnes Bildniß.

1841
• Hoffmann von Fallersleben: Lied der Deutschen. Hoffmann von Fallersleben schreibt die spätere deutsche Nationalhymne im August 1841 während eines Besuchs auf Helgoland. Bereits am 4. September werden die Strophen von Julius Campe, der Hoffmann besucht und das Lied gekauft hatte, in Hamburg veröffentlicht.
• Vordatiert auf 1842 erscheinen anonym die politisch-satirischenen Gedichte Lieder eines Kosmopolitischen Nachtwächters. Hinter dem anonymen Autor verbirgt sich Franz Dingelstedt. Am 8. Dezember erläßt die preußische Regierung ein Gesamtverbot aller Werke des HOFFMANN UND CAMPE Verlags für ihr Hoheitsgebiet.

1842
Beim Großen Brand in Hamburg wird auch HOFFMANN UND CAMPE in der Bohnenstraße verwüstet. Daraufhin wird das preußische Verbot im Juni 1842 aufgehoben. "Seine Majestät der König haben sich durch das Unglück, welches die Campe'sche Buchhandlung zu Hamburg bei dem großen Brande dortselbst betroffen hat, Allergnädigst bewogen befunden, das unterm 8. Dezember vorigen Jahres von uns erlassene Debistsverbot ihrer Verlags- und Commissions-Artikel wieder aufzuheben ..."

1843
• Heinrich Heine: Atta Troll. Ein Sommernachtstraum
• Friedrich Hebbel: Genoveva, Trägodie
• Friedrich Hebbel: Mein Wort über das Drama! ... (eine dramentheoretische Abhandlung).

1844
• Friedrich Hebbel: Maria Magdalene. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Akten
• Heinrich Heines Deutschland. Ein Wintermährchen bringt erneuten Konflikt mit der Zensur: Die Neuen Gedichte, in deren Anhang der Text 1844 erscheint, werden in Preußen sofort beschlagnahmt, in den übrigen Teilen Deutschlands verboten. In seinen zeitkritischen Reiseberichten verarbeitet Heine Eindrücke seiner Reise von Paris nach Hamburg im Herbst 1843.

1845
Umzug von Sortiment und Verlag in die Schauenburgerstraße 59.

1847
HOFFMANN UND CAMPE ist u.a. durch die Schriften Franz Schuselkas und des Freiherrn von Andrian-Werburg auch die führende Verlagsbuchhandlung der österreichischen Opposition geworden. 1847 ergeht das Verlagsverbot aus Österreich, "da diese Buchhandlung seit langem und besonders in der letzten Zeit es sich zur Aufgabe gemacht hat, die feindseligsten Schriften gegen Österreich aufzulegen und zu verbreiten."

1849
Georg Weerth: Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski. Der satirische Roman erschien zunächst in der von Karl Marx und Friedrich Engels geleiteten Neuen Rheinischen Zeitung, für die Weerth als Feuilletonredakteur tätig war.

1851
• Von 1851 bis 1858 erscheint die 48-bändige Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation von Karl Eduard Vehse, die Campe durch die darin geübte freimütige Kritik an den Fürstenhöfen Verfolgungen und zahlreiche Schikanen durch Polizei- und Zensurbehörden einbrachte. Im Dezember 1855 ging er nach der Verurteilung seines Autors selbst ins Gefängnis.
• Auslieferung von Heinrich Heines Gedichtzyklus Romanzero im Herbst des Jahres. Auch dieser Titel wird in Preußen, Bayern und Österreich verboten.

1856
Spaziergänge eines Wiener Poeten erscheint zunächst anonym. Autor ist Anastasius Grün. Die Gedichtsammlung gilt als das erste bedeutende Beispiel für politische Vormärzlyrik.

1861
Adolf Strodtmann gibt die erste rechtmäßige Gesamtausgabe der Werke Heinrich Heines heraus. Die Ausgabe ist 1863 abgeschlossen und umfaßt 21 Bände. Zwei Supplementbände mit unveröffentlichten Texten aus dem Nachlass folgen 1869 und 1884.

1862
Friedrich Hebbel: Die Nibelungen. Ein deutsches Trauerspiel in drei Abtheilungen. Die Tragödien-Trilogie war Hebbels größter Bühnenerfolg.

1865
Start der ersten Gesamtausgabe von Friedrich Hebbel, die 1867 abgeschlossen wird.

1867
Julius Campe stirbt am 14. November im Alter von 75 Jahren. In den 44 Jahren, in denen er den Verlag leitete, erschienen rund 1.100 Titel. Etwa ein Drittel gehört in den Bereich der Belletristik. Es folgen Sachbücher, Lehrbücher, Hamburgensien, pädagogischen Schriften. Bücher und Broschüren politischen Inhalts machen etwa fünfzehn Prozent der Verlagsproduktion aus.

 

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