Vor 10 Jahren wurde der FC St. Pauli mit einem sensationellen 2:1 gegen Bayern München zum „Weltpokalsiegerbesieger“. Mit einem großen Public Viewing im Hamburger „Knust“ wurde das Ereignis zünftig gefeiert. Wir feiern mit und lassen die Helden literarisch wiederauferstehen: Mit einem Auszug aus „FC St. Pauli. Alles drin“ der HOFFMANN UND CAMPE-Autoren Christoph Nagel und Michael Pahl.
Als der Champions-League-Sieger FC Bayern München im November 2001 mit einem 1:0 gegen Boca Juniors aus Argentinien auch noch den Weltpokal gewann, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass er soeben den Boden für ein epochales Stück braun-weißer Vereinsgeschichte bereitet hatte.
Drei Monate später, am 6. Februar 2002, nahm der „Kampfstern Bavaria“ Kurs auf das Millerntor. Die Erwartungen waren mehr als gedämpft. Zumal St. Pauli gerade erst bei Hansa Rostock verloren hatte.
Dann kam der Anpfiff – und alle Naturgesetze des Fußballs waren außer Kraft gesetzt. St. Paulis Trainer Dietmar Demuth hatte seinen Spielern eine tollkühn anmutende Offensivtaktik verpasst: zwei Verteidiger, sechs Mittelfeldspieler, zwei Stürmer. Damit hatten die Bayern nicht gerechnet. Sie wurden vom Tabellenletzten in der eigenen Hälfte festgenagelt, und als Thomas Meggle und Nico Patschinski das 1:0 und 2:0 schossen, wackelten die Tribünen. Erst kurz vor Schluss gelang Willy Sagnol der bayerische Anschlusstreffer. Zu spät. Die Bayern waren geschlagen.
Doch Geschichte wurde auch nach dem Spiel noch geschrieben: Am Tresen der Fankneipe „Jolly Roger“. „Ich stand mit Heiko Schlesselmann vom Fanladen am Tresen und hab Brandy getrunken“, schildert Merchandising-Produktchef Hendrik Lüttmer die hochprozentige Kreativsession: „Wir haben über das Spiel geredet, und ein Wort gab das andere. Wer jetzt ‚Weltpokal‘ gebracht hat und wer ‚Weltpokalsieger‘ gesagt hat und wer daraus ‚Weltpokalsiegerbesieger‘ gemacht hat, weiß ich auch nicht mehr. Aber zum Glück hab ich mich am nächsten Tag noch daran erinnert.“ Weit über 80 000 bedruckte T-Shirts später ist aus der Schnapsidee längst ein geflügeltes Wort geworden, in einer Reihe mit der „Schmach von Cordobá“, der „Hand Gottes“ und dem „Wunder von Bern“.
Wie gut also, dass Samy Kuffour im November 2001 gegen Boca traf: „Championsleaguesiegerbesieger“ klingt höchstens halb so schön.
Bayern-Manager Uli Hoeneß zog am Tag nach dem Spiel gnadenlos Bilanz:
„Die Paulianer sind gerannt, ich glaube, da liegen heute noch welche unterm Sauerstoffzelt. Und bei uns werden 30 Minuten nach Spielschluss schon wieder Sprüche geklopft und Karten gespielt. Die Spieler essen Scampis, und ich habe eine schlaflose Nacht.“
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| Reichlich Lesestoff und mehr als 1000 Bilder rund um die "Weltpokalsiegerbesieger"; und ihre Vorfahren gibt es auch im "Standardwerk zur Geschichte des Kiezclubs" (11 Freunde), "FC St. Pauli. Das Buch. Der Verein und sein Viertel" (HOFFMANN UND CAMPE 2009) |